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Zahnärzteblatt Baden-Württemberg 05/2020

Editorial

Ausgabe 5, 2020

» Editorial. Mehr noch als sonst besteht bei diesem Vorwort die Gefahr, dass die darin festgehaltenen Gedanken längst überholt sind, wenn Sie das gedruckte Exemplar des Zahnärzteblatts in Händen halten. Eines der aktuellen Risiken, und zugegeben eines der geringeren, mit denen wir gerade lernen müssen umzugehen. Heute ist der 16. April und das Spannungsfeld der Zahnmedizin bewegt sich zwischen Shutdown, fehlenden Hygieneartikeln und Unsicherheit. Als Mediziner*in will und muss jede/r seinen/ ihren Anteil leisten, andererseits als Arbeitgeber*in die Mitarbeiter*innen schützen.
Die Coronavirus-Krise zwingt jedoch sowohl die Gesellschaft, und damit jede/n einzelnen von uns, als auch die Politik, Antworten auf bislang nicht gestellte Fragen zu geben. Bisher gemachte Erfahrungen gelten nicht mehr und bislang bestehende Sicherheiten geben keinen weiteren Halt

» Titelthema. Wie informieren wir also angemessen zwischen COVID-19 und der täglichen „Infodemie“? Natürlich haben wir in der Redaktion kritisch und kontrovers darüber diskutiert, ob es angemessen ist, derzeit über Green Dentistry zu berichten, während anderswo die Debatte darüber geführt wird, ob es, angesichts der Knappheit sinnvoll ist, FFP2- Masken mehrfach zu nutzen, oder lieber doch nicht. Wir entschlossen uns, den Spagat zu wagen. Mehr noch, wir wollen eine Verbindung schaffen: Umweltministerium und Umweltbundesamt (UBA) gaben bekannt, dass der fortschreitende Kohleausstieg und die wirtschaftlichen Folgen der CoronavirusPandemie die bereits aufgegebenen Klimaziele 2020 in erreichbare Nähe rücken lassen. So seien die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Vergleich zu 2018 um 6,3 Prozent zurückgegangen. Natürlich ist uns bewusst, dass die Corona-Zeiten hinsichtlich der Umweltpolitik ein einmaliger Ausnahmefall sind. Aber können sie nicht auch eine Chance sein? Können wir uns nicht auch die Frage stellen, was nach dem Neustart der Wirtschaft nach der Coronakrise beibehalten werden kann?

» Sonderthema. Keine Schule, wenig Verkehr, dazu schönes Wetter. Ein bisschen fühlt es sich an wie ein langes Feiertagswochenende. Aber nur scheinbar. Der Coronavirus ist ein Stresstest für uns alle. In diesem Heft versuchen wir, Sie zu informieren und hoffen, dass die abgebildeten Inhalte nicht schon wieder überholt sind, bevor die Druckerschwärze noch getrocknet ist. Immer wieder haben wir vor Drucklegung Seiten ausgetauscht, Passagen verändert, Textteile ergänzt oder ganze Absätze gestrichen.
In diesem Zusammenhang ist mir vor allem die Bemerkung wichtig, dass die Kommunikation in alle Richtungen vor allem für die Köperschaften eine immense Herausforderung war und ist, die kaum zu bewältigen ist und doch bewältigt werden muss. Alle Beteiligten sind und waren während der letzten Wochen unermüdlich darum bemüht, alles dafür zu tun, die Zahnärzteschaft Baden-Württembergs in dieser Krise umfassend zu begleiten, Gespräche mit den Ministerien zu führen, notwendige Schutzausrüstungen und Hygieneartikel zu besorgen, Notfall-Ambulanzen einzurichten und die Sorgen und Nöte des Berufsstands angemessen zu formulieren und zu vertreten. Auf den Seiten 20 ff. haben wir Ihnen Informationen zusammengestellt.

» Mangelernährung im Alter. Mangelernährung ist bei älteren Personen eine Problematik von hoher Relevanz, die über unterschiedliche Lebensbereiche hinweg weit verbreitet ist. Im deutschsprachigen Raum liegen die Prävalenzzahlen bei zu Hause lebenden älteren Menschen bei 0 bis 13 Prozent, im Pflegeheimbereich bei 9 bis 38 Prozent und bei geriatrischen Patienten bei 17 bis 30 Prozent. Doch was genau ist eine Mangelernährung, wie erkennt man sie und was sind die Folgen für die orale Gesundheit? Das Autorentrio Neshat Chareh, Johanna Seemer, Jasmin Weber vom Institut für Biomedizin des Alterns an der FriedrichAlexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat sich in unserem aktuellen Fortbildungsartikel auf Seite 50 ff. ausführlich mit der Thematik auseinandergesetzt.