Zahnaerzteblatt.de

 

Personalia

Nachruf auf Prof. Dr. Dr. Peter Riethe

 

Ein vorbildhafter Vertreter der Zahnmedizin

Ausgabe 5, 2020

Professor Dr. med. dent. Dr. rer. nat. Peter Riethe erhielt 1968 den Ruf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Konservierende Zahnheilkunde an der gerade fertiggestellten, damals sehr modernen Zahnklinik in Tübingen. Seine Aktivitäten waren immer am wissenschaftlichen Fortschritt orientiert, mit einem feinen Gespür für kommende Entwicklungen. So konnte er die Anerkennung und das Renommee seiner Abteilung bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1989 aufbauen und erhöhen.
Die Aufzählungen seines wissenschaftlichen Oeuvres und seiner vielfältigen Verdienste, um nur die Prophylaxe und die Weiterentwicklung der minimaladhäsiven Restaurationstechniken zu nennen, würden zu weit führen. Sie sind an anderer Stelle gebührend gewürdigt worden.
Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Dafür waren einige Faktoren maß- gebend, die in ihrem Zusammenwirken seine für Studenten und Mitarbeiter angenehme Erscheinung ausgemacht haben.
Die optimistische Lebensfreude wurde ihm wohl zusammen mit der rheinländischen Herkunft in die Wiege gelegt. Geboren in Bingen, blieb er seiner Heimat zeitlebens verbunden. Die soldatischen Tugenden Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hat er als junger Leutnant, neben etlichen Verwundungen, aus dem Krieg mitgebracht.
Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft entsprangen seinem gelebten christlichen Glauben und nicht zuletzt seiner humanistischen Bildung, die er nicht nur im Beherrschen der lateinischen Sprache gelebt hat, sondern auch im wirklichen Leben.

Die Zeiten an der Universität waren nach 1968 stürmisch, die Studenten und auch die Mitarbeiter mitunter antiautoritär aufmüpfig. Dann konnte er, sonst gütiger Vater, auch mal eine Brandrede, von ihm „Philippika“ genannt, über die eingezogenen Köpfe seiner Assistenten hinweg halten, die er ansonsten wohl dosiert an der langen Leine führte.
Nach seiner Emeritierung konnte er seiner lebenslangen Leidenschaft der Erforschung des Lebens und Wirkens von Hildegard von Bingen weiter nachgehen. Fasziniert von dieser Heiligen seit seinen frühen Kindheitstagen übersetzte er ihre in Latein verfassten medizinischen und naturwissenschaftlichen Schriften.
Eine Gruppe von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den 1980erJahren, entstanden aus einer produktiven und glückhaften Zusammenarbeit, und von ihm als eine Art Familie erlebt, hat bis zuletzt Kontakt zu ihm gehalten. Es war ihm vergönnt in seinem eigenen Haus bei liebevoller Betreuung und vor allem bei klarem Verstand und gutem Erinnerungsvermögen fast die 100 Jahre zu erreichen. Peter Riethe verstarb am 20. März 2020 im Alter von 98 Jahren.

Dr. Günter Rau

 

Nachruf auf Dr. Bernhard Jäger

 

Ein kluger Kopf mit unerschütterlichem Optimismus

Ausgabe 5, 2020

Der Bildschirm ist schwarz und leer. Bilder blitzen auf und verschwinden wieder. Ein Gedanke bleibt. Bernhard lebt nicht mehr.

Bernhard Jäger blieb seiner Geburtsstadt Mannheim stets treu, auch wenn er zeitweise anderswo lebte. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker. Darauf folgte die Zeit bei der Bundeswehr – zum Leidwesen seiner Vorgesetzten, die wenig Verständnis für seine kreative Art zeigten. Zahnmedizin studierte er von 1973 bis 1978 in Heidelberg, wo er auch promoviert wurde. Damit war der Weg frei für die Gründung seiner Zahnarztpraxis im Jahr 1980 in Mannheim. Schon 1985 engagierte er sich bei der Sammelaktion „Altgold für die Dritte Welt“. Danach arbeitete er ehrenamtlich in zahlreichen Gremien von Zahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Vereinigung mit. Als Präsident der Zahnärztlichen Philipp-Pfaff-Gesellschaft kümmerte er sich von 1993 bis 2008 um örtlich und thematisch nahe Fortbildung für die Vereinsmitglieder. Besonders hervorzuheben ist die Zeit von 2001 bis 2008, in der er sich als stellvertretender Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe an verantwortlicher Stelle für die Belange der gesamten nordbadischen Kollegenschaft einsetzte. Im Jahr 2009 erfolgte der Praxisumzug in neue Räume, die fortan die mit Sohn Daniel und Kollegen neu gegründete moderne Gemeinschaftspraxis beherbergten. Von 2009 bis 2016 wurde Dr. Jäger für zwei Wahlperioden in das Amt des stellvertretenden Präsidenten der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg gewählt. Hier war er zuständig für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, den er mit viel Freude und großem Einsatz ausfüllte. Häufig äußerte er gerne und offensiv Kritik an politischen Missständen, wofür er oft reichlich Lob von Kollegen erhielt.
Bernhard Jäger liebte und suchte das Gespräch mit Menschen aus seiner Umgebung, sei es mit Freunden, Patienten, Kollegen oder Mitarbeitern. Personen, die Hilfe benötigen, lagen ihm besonders am Herzen. So engagierte er sich auch für Menschen ohne festen Wohnsitz. Er unterstützte die zahnmedizinische Betreuung der Vesperkirche in Mannheim durch seinen persönlichen ehrenamtlichen Einsatz. Zu seiner späten Leidenschaft gehörte das Malen. In einer Reihe von gut besuchten Ausstellungen konnten beim Verkauf seiner beliebten Gemälde ansehnliche Erlöse erzielt werden, die Bernhard immer großzügig an Hilfsorganisationen spendete, wie z. B. an das Sterntaler-Kinderhospiz.
Mit Offenheit und Mut bekämpfte Bernhard Jäger seine Krankheit lange Zeit sehr erfolgreich. In den letzten Jahren seines Lebens nahm die schwere Erkrankung zunehmend Raum in seinem Alltag ein, ohne dass sie sein allzeit positives Wesen verdrängen konnte.
Dr. Bernhard Jäger war ein kluger Kopf mit viel Sinn für pragmatische Lösungen. Seine große soziale Verantwortung und sein unerschütterlicher, mitreißender Optimismus waren stets prägnante Merkmale seines Lebens. Mit 71 Jahren schied er viel zu früh von uns. Wir werden ihm gerne ein ehrendes Andenken bewahren.

Dr. Udo Lenke
Ehrenpräsident der Landeszahn-
ärztekammer Baden-Württemberg